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Nicht nachgedacht – RCDS-Kommentar zum AStA-Antrag „Lasst mich doch denken“

In einer Vollversammlung am kommenden Dienstag, den 18.04.2017 um 16 Uhr möchte der AStA die Studierendenschaft über den Antrag „Lasst mich doch denken! Für mehr Selbstbestimmung in der Lehre“ entscheiden lassen.

Für einen AStA, der sich so offensiv für ein intensiveres Nachdenken über die aktuelle Situation an unserer Universität einsetzt, ist der Antrag dann aber leider erstaunlich wenig durchdacht.

Auf netto weniger als einer Seite sind 16 Forderungen für die große Selbstbestimmungsinitiative aufgelistet. Für ein Pamphlet, das u.a. den Mangel an konkreten Lösungen für Probleme an der Uni anprangert, erscheint dies doch deutlich zu dünn. Es mangelt diesem Antrag, der letztendlich selbst nur oberflächliche und undifferenzierte Forderungen aufstellt, selbst an konkreten Lösungen. Ein Abriss:

  1. Kategorie schön, aber schwammig:

Beispiel: „Mehr Wahlfreiheit“. „Mehr“ hört sich zunächst einmal immer gut an. Aber: Wer stets nur ein „Weniger“ oder „Mehr“ fordert, ohne Ziele oder Grenzen dessen zu setzen, stiehlt sich aus der Verantwortung, mit konkreten Lösungsvorschlägen aufzuwarten. Was soll das „mehr“ konkret sein? Wie soll es organisiert oder finanziert werden? Fragen, die in diesem Antrag nicht aufgegriffen werden. Für uns ein unzureichendes Ergebnis.

Studien- und Prüfungsordnung vernünftig verfassen“, „Verbesserung der Betreuungsrelation“ und eine Änderung des Akkreditierungsverfahrens sind weitere Punkte, die inhaltlich durchaus unsere Unterstützung haben könnten, aber hier jeden konkreten Plan vermissen lassen. Nur Schlagwörter sind keine Reformen, noch nicht einmal eine Verhandlungsposition auf dem Weg dorthin.
Ferner ist es fast ein bisschen skurril, dass der grün-rote AStA nach sechs Jahren rot-grüner Landesregierung und SPD-geführtem Wissenschaftsministerium auf die Idee kommt, sich mit der Frage nach „ausreichend Masterplätzen“ (wie auch immer sich dieses „ausreichend“ bemisst) an eben dieses zu wenden. Zumindest hoffen wir, dass dies mit dem Schlagwort „Forderungen der Uni landes- und bundesweit offensiv vertreten“ gemeint ist. Das Rektorat (als Haupt-Adressat dieses Antrags) ist für solche Fragen nämlich nicht zuständig. Masterplätze sind – manche im AStA mag es überraschen – eine Sache der (Landes-) Finanzierung.

  1. Kategorie: Unsinn

Während man die vorigen Passagen vielleicht noch als lediglich handwerklich ungeschickt bewerten mag, ist dieser Teil des Antrags schlichtweg realitätsferner bildungspolitischer Unfug.

Stichwort „keine benoteten Leistungsnachweise im ersten Semester“. Die Benotung im ersten Semester abzuschaffen, stellt eine plumpe Forderung dar, die anscheinend nicht weiter durchdacht ist. Viele Studienanfänger stellen in den ersten Monaten fest, dass sie sich entweder für den falschen Studiengang oder Ausbildungsweg entschieden haben. Neben der Begeisterung fürs Fach sind Noten als Maß des Studienerfolgs ein wichtiger Indikator für die Reflektion über das eigene Studium. Zweifelt jemand an seiner Studienwahl, kann eine zügige Leistungseinschätzung in der Studienentscheidung hilfreich sein – entweder bestärkend in der Wahl oder doch eher hin zum Wechsel.

Nicht zuletzt zeigen Noten immer auch an, an welchen Stellen individuelles Verbesserungspotential besteht. Spezifische Schwachpunkte im ersten Semester festzustellen und zu bekämpfen, ist sinnvoll für den langfristigen Studienerfolg. Eine Abschaffung von benoteten Leistungsnachweisen lehnen wir demnach kategorisch ab!

Dezentrale Regeln nach Fachkultur für individuelle Anforderungen“ höhlen die Vergleichbarkeit von Leistungen aus, was wir als Verfechter eines fairen Leistungsprinzips, das unabhängig vom Studienstandort jedem die gleiche Chance gibt, ablehnen.

Fazit:

Der AStA will nach eigenen Angaben die Systemfrage stellen. Das System und sein Status quo weisen Schwächen auf – keine Frage. Aber die Antworten, die der AStA geben will, sind unzureichend und / oder unsinnig.

Der RCDS spricht sich folglich gegen die Annahme eines Antrags solcher Form auf der Vollversammlung aus.

Wir fordern vom AStA einen Antrag, der über bloße Schlagworte hinaus einen konkreten sinnvollen Weg für die WWU aufzeigt. Ansonsten ist eine inhaltliche Diskussion über ein solches Papier gar nicht erst möglich, was wir im Zuge unserer Ziels der Verbesserung der Studienbedingungen für jeden einzelnen Studenten sehr bedauern.

Kommt am Dienstag, den 18. April um 16 Uhr in die Aula im Schloss und zeigt, dass ihr mit den Schlagwort-Forderungen ohne Hintergrund nicht einverstanden seid – jede einzelne Stimme zählt!

 

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RCDS Münster
Dieser Blog wird durch die Vorsitzende des RCDS Münster, Isabel Blume, betreut.

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