X

Etikettenschwindel bei Vortragsreihen – Wenn Bildung draufsteht und Kapitalismuskritik drin ist

Gleich auf der ersten StuPa-Sitzung im neuen Semester wurden zwei Finanzanträge von den linken Listen angenommen. Bei der „Ringvorlesung Rojava“ und der „Vortragsreihe Ideologiekritik“ bestehen bei der Opposition erhebliche Zweifel an Mehrwert und Ausrichtung der Veranstaltungen.

Die Ringvorlesung zum Thema Rojava ist das zweite Projekt der Initiative „Perpektive Rojava“. Die Zeitung wurde im Sommer mit breiter Mehrheit gefördert, denn sie informierte ausführlich über diese Region in Syrien und die Umstände der gesellschaftlichen Veränderungen dort. Bei der Ringvorlesung soll Interessierten die Möglichkeit gegeben werden, sich genauer zu informieren. Während dieses Ziel von allen Listen geschätzt wurde, herrschten bei LHG und insbesondere dem RCDS Zweifel an der Neutralität der Berichte und Vorträge. Wenn über die Hälfte der Referenten aus einer sozialistischen Partei kommen, für die Rosa-Luxemburg-Stiftung arbeiten oder in der Frankfurter Rundschau publizieren, ist fraglich, wie objektiv diese Veranstaltungen sein können. Daher hat der RCDS die Förderung dieses Projekts abgelehnt, auch wenn es trotzdem eine Mehrheit gefunden hat. Was bei „Rojava“ noch durch Recherche und Zwischen-den-Zeilen-Lesen ans Tageslicht gefördert werden musste, trat bei dem bekannten Format „Vortragsreihe Ideologiekritik“ umso stärker hervor. Ganz offen wird vom Antragsteller zugegeben, dass es sich um eine kapitalismuskritische Veranstaltung handelt, genau wie die letzten Jahre auch. Man kann sich zwar fragen, warum die regelmäßige Auseinandersetzung mit einer Gesellschaftsform, die in Deutschland schon lange der Sozialen Marktwirtschaft gewichen ist, sinnvoll ist. Doch selbst wenn man zu diesem Schluss kommt, so erwartet man bei „Ideologiekritik“ zu Recht die kritische Beleuchtung mehrerer verschiedener Ideologien. Wo bleibt die kritische Auseinandersetzung mit dem Kommunismus oder Sozialismus? Semester um Semester wird dieselbe Kapitalismuskritik ausgebreitet, ohne den Blick zu weiten. Genauso beschränkt wie die Richtung dürfte dementsprechend auch die Zielgruppe sein. Der RCDS moniert außerdem, dass die Veranstaltungen keinesfalls so ergebnisoffen seien, wie der Name „Kritik“ im positiven Sinne vermuten ließe. In einer Filmkritik zum Beispiel werden sowohl negative als auch positive Aspekte beleuchtet. Diese Ambivalenz und Differenzierung darf man bei dieser Vortragsreihe leider nicht erwarten. Das stimmt traurig, wenn man sieht, dass dafür Jahr für Jahr ungefähr 5000€ der studentischen Beiträge verwendet werden…

Tags:

About the Author

RCDS Münster
Dieser Blog wird durch die Vorsitzende des RCDS Münster, Isabel Blume, betreut.

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *